Puls, Sturz, Notruf: Wenn die Smartwatch zum Lebensretter wird

senioren smartwatchWas einst vor allem als verlängerter Smartphone-Bildschirm für eingehende Nachrichten und als Fitness-Tracker begann, hat sich zu einem vielseitigen Instrument zur Erfassung von Gesundheits- und Bewegungsdaten entwickelt. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Fälle bekannt, in denen Menschen nach Warnungen ihrer Smartwatch medizinische Hilfe suchten oder nach einem schweren Unfall automatisch ein Notruf ausgelöst wurde. Ob auffällig niedrige Herzfrequenz, Hinweise auf Vorhofflimmern, ungewöhnlich hoher Ruhepuls oder schwere Stürze – moderne Smartwatches können Veränderungen registrieren, die Betroffene selbst möglicherweise zunächst nicht wahrnehmen.

Dabei ist eine wichtige Einschränkung zu beachten: Eine Smartwatch stellt in solchen Fällen normalerweise keine medizinische Diagnose. Sie registriert beispielsweise eine ungewöhnliche Herzfrequenz oder ein bestimmtes Herzrhythmusmuster und kann den Nutzer darauf aufmerksam machen. Welche Ursache dahintersteckt, muss anschließend medizinisch abgeklärt werden.

Stille Herzprobleme und Vorhofflimmern rechtzeitig bemerkt

Besonders bekannt sind die Gesundheitsfunktionen moderner Smartwatches für die Überwachung der Herzfrequenz und des Herzrhythmus. Einige Herz-Kreislauf-Erkrankungen können zumindest zeitweise ohne eindeutige Beschwerden verlaufen. Auffällige Messwerte am Handgelenk können deshalb ein Anlass sein, ärztlichen Rat einzuholen.

Das zeigt der dokumentierte Fall des 68-jährigen Brad Jackson aus Plano im US-Bundesstaat Texas. Seine Apple Watch informierte ihn darüber, dass sein Puls auf nur 32 Schläge pro Minute gefallen war. Jackson, der sich zunächst nicht krank fühlte, kontaktierte daraufhin seinen Arzt und trug für weitere Untersuchungen einen Holter-Monitor. Zunächst ergab sich daraus kein unmittelbarer Behandlungsbedarf. Einige Wochen später fiel Jacksons Herzfrequenz erneut auf rund 32 Schläge pro Minute und blieb ungewöhnlich niedrig. Er wurde schließlich an einen Spezialisten für Herzrhythmusstörungen überwiesen. Nach weiteren Untersuchungen erhielt Jackson einen Herzschrittmacher.

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Auch bei Vorhofflimmern können bestimmte Smartwatches Hinweise liefern. Die Apple Watch beispielsweise analysiert im Hintergrund Pulssignale und kann Nutzer informieren, wenn wiederholt ein unregelmäßiger Herzrhythmus festgestellt wird, der auf Vorhofflimmern hindeuten könnte. Eine solche Benachrichtigung ist allerdings keine Diagnose und erfasst auch nicht zwangsläufig jede Episode von Vorhofflimmern. Apple weist ausdrücklich darauf hin, dass die Funktion eine medizinische Untersuchung nicht ersetzt.

Eine frühzeitige medizinische Diagnose von Vorhofflimmern kann dennoch von großer Bedeutung sein. Die Herzrhythmusstörung ist mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko verbunden und kann abhängig vom individuellen Fall unter anderem medikamentös behandelt werden. Smartwatches können somit einen zusätzlichen Hinweis liefern, aufgrund dessen Betroffene eine ärztliche Untersuchung veranlassen.

Automatische Sturzerkennung kann Hilfe für Bewusstlose rufen

Neben der Herzfrequenzmessung besitzen einige moderne Smartwatches eine automatische Sturzerkennung. Dabei werden unter anderem Bewegungs- und Beschleunigungssensoren genutzt, um Bewegungsmuster zu identifizieren, die zu einem schweren Sturz passen.

Bei der Apple Watch erscheint nach einem erkannten schweren Sturz zunächst eine Warnung. Registriert die Uhr anschließend etwa eine Minute lang keine Bewegung des Trägers, kann sie automatisch den Rettungsdienst kontaktieren. Außerdem können hinterlegte Notfallkontakte informiert und Standortinformationen übermittelt werden.

Wie hilfreich eine solche Funktion sein kann, zeigt der Fall des US-Amerikaners Bob Burdett. Der damals 62-Jährige war im September 2019 mit dem Fahrrad in Spokane im US-Bundesstaat Washington unterwegs und wollte sich anschließend mit seinem Sohn Gabe zum Mountainbiken treffen. Am Fuß des Doomsday Hill verlor Burdett bei einer Geschwindigkeit von etwas mehr als 20 Meilen pro Stunde – rund 32 km/h – die Kontrolle über sein Fahrrad. Er stürzte schwer und schlug mit dem Kopf auf dem Boden auf. Durch den Aufprall verlor er das Bewusstsein.

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Seine Apple Watch erkannte den schweren Sturz. Nachdem Burdett regungslos geblieben war, kontaktierte die Uhr automatisch den Notruf und informierte auch seinen Sohn. Laut einem zeitgenössischen Bericht wurde der Rettungsdienst um 12:02 Uhr alarmiert; ein Krankenwagen traf bereits ungefähr eine Minute später am Unfallort ein. Burdett kam erst im Krankenwagen wieder zu sich.

Im Krankenhaus wurden unter anderem Röntgenaufnahmen und eine CT-Untersuchung vorgenommen. Burdett hatte eine Gehirnerschütterung sowie weitere Verletzungen erlitten und benötigte unter anderem Stiche für eine Wunde oberhalb des Auges. Bereits am folgenden Abend konnte er das Krankenhaus wieder verlassen.

Der Fall zeigt besonders deutlich den möglichen Nutzen einer automatischen Notruffunktion: Ist ein Mensch nach einem Unfall bewusstlos und kann selbst kein Telefon bedienen, kann die Smartwatch unter bestimmten Voraussetzungen dennoch einen Notruf auslösen.

Schleichende Gefahren: Wenn ein ungewöhnlicher Ruhepuls zum Warnsignal wird

Nicht nur Herzrhythmusstörungen oder Unfälle können durch Smartwatch-Daten auffallen. Auch eine ungewöhnlich hohe Herzfrequenz in Ruhe kann ein Hinweis darauf sein, dass im Körper etwas nicht stimmt. Moderne Geräte können Nutzer benachrichtigen, wenn die Herzfrequenz trotz fehlender körperlicher Aktivität über einen bestimmten Zeitraum oberhalb oder unterhalb festgelegter Grenzwerte liegt. Bei der Apple Watch liegt der voreingestellte Grenzwert für eine hohe Herzfrequenz beispielsweise bei 120 Schlägen pro Minute, kann vom Nutzer jedoch angepasst werden.

Dass hinter einer solchen Auffälligkeit ganz unterschiedliche Erkrankungen stecken können, zeigen mehrere dokumentierte Fälle.

Im Jahr 2023 berichtete beispielsweise ein Apple-Watch-Nutzer, dass seine Uhr während einer Ruhephase wiederholt eine ungewöhnlich hohe Herzfrequenz registriert hatte. Nachdem die Werte nicht zurückgingen, kontaktierte er seinen Arzt, der schließlich den Rettungsdienst verständigte. Im Krankenhaus wurde eine schwere innere Blutung festgestellt. Der Hämoglobinwert des Patienten war auf etwa 3 Gramm pro Deziliter abgesunken und er benötigte eine Bluttransfusion. Die Smartwatch hatte dabei nicht die Blutung selbst erkannt, sondern lediglich die auffällig hohe Herzfrequenz registriert, die letztlich zur medizinischen Untersuchung führte.

Ein ähnlicher Zusammenhang zeigte sich bei der damals 29-jährigen Kimmie Watkins aus Cincinnati. Nachdem sie sich schwindelig und kurzatmig gefühlt hatte, legte sie sich schlafen. Währenddessen registrierte ihre Apple Watch über einen längeren Zeitraum eine Herzfrequenz von 178 Schlägen pro Minute und warnte sie. Watkins suchte daraufhin medizinische Hilfe. Im Krankenhaus diagnostizierten Ärzte eine sogenannte Saddle-Pulmonary-Embolism – eine besonders schwere Form der Lungenembolie, bei der ein großes Blutgerinnsel den Bereich der Aufzweigung der Lungenarterien betrifft. Auch hier erkannte die Uhr nicht die Erkrankung selbst, sondern die ungewöhnlich hohe Herzfrequenz.

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Schon 2015 sorgte außerdem der Fall des damals 17-jährigen US-Footballspielers Paul Houle Jr. für Aufmerksamkeit. Nach einem intensiven Training bemerkte Houle Schmerzen in Brust und Rücken. Als er seine Herzfrequenz mit seiner erst wenige Tage zuvor gekauften Apple Watch kontrollierte, stellte er fest, dass sein Puls noch rund zwei Stunden nach dem Training bei etwa 145 Schlägen pro Minute lag. Sein Trainer bestätigte die hohe Herzfrequenz durch eine manuelle Messung und Houle wurde ins Krankenhaus gebracht. Dort diagnostizierten Ärzte eine Rhabdomyolyse – eine potenziell lebensgefährliche Schädigung von Muskelgewebe, bei der Bestandteile geschädigter Muskelzellen in den Blutkreislauf gelangen und unter anderem die Nieren belasten können.

Auch bei diesem Fall ist die Unterscheidung entscheidend: Die Apple Watch erkannte keine Rhabdomyolyse. Houle nutzte ihre Herzfrequenzmessung, um seinen ungewöhnlich lange erhöhten Puls festzustellen. Dieser Messwert trug dazu bei, dass er medizinische Hilfe suchte.

Smartwatches als zusätzliches Sicherheitsinstrument

Die Beispiele zeigen sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen moderner Smartwatches. Sensoren am Handgelenk können Herzfrequenz und Bewegungen erfassen, bestimmte Geräte können außerdem Hinweise auf mögliche Herzrhythmusstörungen geben oder nach einem schweren Sturz automatisch Hilfe rufen. Aus den Messwerten allein lässt sich jedoch häufig nicht erkennen, welche medizinische Ursache hinter einer Auffälligkeit steckt.

Eine erhöhte Herzfrequenz kann beispielsweise zahlreiche Ursachen haben. Eine Smartwatch kann unter Umständen feststellen, dass der Puls ungewöhnlich hoch ist – nicht aber zuverlässig bestimmen, ob dafür eine Lungenembolie, eine innere Blutung, eine Infektion oder eine andere Erkrankung verantwortlich ist. Genau deshalb sollten auffällige Werte und entsprechende Warnmeldungen insbesondere bei zusätzlichen Beschwerden medizinisch abgeklärt werden.

Smartwatches ersetzen somit weder eine ärztliche Untersuchung noch professionelle medizinische Diagnostik. Dokumentierte Fälle wie die von Brad Jackson, Bob Burdett, Kimmie Watkins oder Paul Houle zeigen jedoch, dass die Geräte in bestimmten Situationen wichtige Hinweise liefern oder nach einem Unfall automatisch Hilfe verständigen können. Im entscheidenden Moment kann eine Information vom Handgelenk damit tatsächlich dazu beitragen, dass ein gesundheitliches Problem früher erkannt oder medizinische Hilfe schneller erreicht wird.

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