TAG Heuer packt wohl die Koffer: Smartwatch-Rückzug nach zehn Jahren

tag heuer connected 2020 smartwatch_3In der Schweizer Uhrenindustrie bahnt sich das Ende eines der prominentesten digitalen Experimente an. Übereinstimmenden Berichten zufolge stellt der traditionsreiche Luxusuhrenhersteller TAG Heuer die Entwicklung und Fertigung seiner Connected-Smartwatches mit sofortiger Wirkung ein. Nach rund einem Jahrzehnt auf dem Wearable-Markt zieht die zum französischen LVMH-Konzern gehörende Marke damit offenbar einen Schlussstrich unter den Versuch, traditionelle Schweizer Uhrmacherkunst dauerhaft mit schnelllebiger Unterhaltungselektronik zu verknüpfen.

Restbestände werden abverkauft, kein Nachfolger mehr geplant

Wie das französische Wirtschaftsmedium La Lettre berichtet, wurde die Produktion der hauseigenen Smartwatch-Linie bereits gestoppt. Die noch in den Vertriebskanälen und Lagern verbliebenen Bestände der aktuellen Connected-Modelle sollen regulär bis voraussichtlich Ende 2027 abverkauft werden. Einen direkten Nachfolger oder eine nächste Modellgeneration wird es demnach nicht mehr geben. Die Marke selbst hat die Berichte bislang zwar noch nicht offiziell kommentiert, Branchenbeobachter werten die Entwicklung jedoch als längst überfällige Konsolidierung.

Der Schritt kommt dennoch zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt. Erst mit der jüngsten Generation hatte TAG Heuer noch erhebliche Summen investiert, um sich von Googles Wear OS zu lösen und mit einem eigenen Betriebssystem sowie tiefgreifenden iOS-Zertifizierungen unabhängiger aufzustellen. Schätzungen zufolge flossen über die vergangenen Jahre hinweg mehr als 150 Millionen Euro in das hauseigene Digital- und Softwareteam, das eigens in Paris und der Schweiz aufgebaut worden war.

TAG Heuer Connected Modular 41 Smartwatch

Spagat zwischen Luxus-Prestige und veralteter Technik

Der Rückzug verdeutlicht das grundlegende Dilemma klassischer Luxusmanufakturen im Smartwatch-Segment. Während mechanische Ikonen wie die Carrera oder Monaco über Jahrzehnte hinweg ihren Wert halten oder steigern, unterliegen Wearables einem unausweichlichen, rasanten Alterungsprozess. Verbauten Akkus, Bildschirmen und Chipsätzen droht nach wenigen Jahren die technische Obsoleszenz – ein Umstand, der mit dem Luxusversprechen von zeitloser Beständigkeit nur schwer vereinbar ist.

Hinzu kam ein spürbares Gefälle bei der tatsächlichen Ausstattung. Trotz exklusiver Werkstoffe wie Titan, Keramik oder Saphirglas und Preisen jenseits der 1.500-Euro-Marke hinkte die verbaute Elektronik der modernen Konkurrenz mitunter hinterher. Während Spezialisten wie Garmin oder Apple ihre Geräte im Jahrestakt mit modernster Mehrkanal-Sensorik, Dual-Frequenz-GPS, EKG-Funktionen oder extrem ausdauernden Energiespeichern aufrüsteten, setzten die Connected-Modelle oft auf ältere Prozessoren und rudimentärere Vitaldaten-Algorithmen. Sie lebten in erster Linie von dem Kaufargument, ein Prestigeobjekt zu sein. Für anspruchsvolle Sportler boten günstigere Uhren schlichtweg das deutlich potentere Gesamtpaket. Mit dem Ausstieg von TAG Heuer verliert die Branche nun einen ihrer profiliertesten Vorreiter im High-End-Smartwatch-Sektor.

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