Wasserdichtigkeit bei Smartwatches: Warum 5 ATM nicht 50 Meter Tauchtiefe bedeutet

garmin descent g1 taucheruhr_6Beim Kauf einer Smartwatch oder eines Fitness-Trackers gehört der Blick auf den Wasserschutz zu den wichtigsten Kriterien. In den Datenblättern werben Hersteller prominent mit Angaben wie „5 ATM“, „10 ATM“ oder Zertifizierungen nach ISO-Normen. Allerdings sorgt vor allem die ATM-Angabe regelmäßig für Missverständnisse und teure Wasserschäden, da der Begriff im Alltag oft falsch interpretiert wird.

Die ATM-Falle: Statischer Druck versus dynamische Bewegung

Der Begriff ATM steht für physikalische Atmosphären und beschreibt den Prüfdruck, den das Gehäuse einer Uhr im Labor unter kontrollierten Bedingungen aushält. Ein Druck von 1 ATM entspricht etwa dem Druck einer Wassersäule von zehn Metern. Die Bezeichnung „5 ATM“ verleitet daher viele Verbraucher zu dem Trugschluss, sie könnten mit ihrer Smartwatch bedenkenlos bis zu 50 Meter tief ins Wasser tauchen.

In der Praxis sieht die Realität jedoch völlig anders aus. Die Tests der Hersteller finden im Labor mit stehendem Süßwasser und ohne Bewegung statt. Sobald sich eine Person im Wasser bewegt – sei es beim Kraulschwimmen, beim Hineinspringen ins Becken oder beim Ausführen von Wassersportarten –, entsteht ein dynamischer Druck. Dieser Bewegungsdruck kommt zum statischen Druck hinzu und kann die Belastungsgrenzen der Dichtungen im Bruchteil einer Sekunde überschreiten. Eine Smartwatch mit der Auszeichnung 5 ATM eignet sich daher lediglich zum Händewaschen, Duschen oder für ruhiges Schwimmen an der Oberfläche, keineswegs aber für Tauchgänge. Erst ab einer Einstufung von 10 ATM gilt eine Uhr als ausreichend geschützt für Schnorchelausflüge und schnellere Wassersportarten.

Spezial-Zertifizierungen für echte Tauch-Wearables

Für Sportler und Taucher, die verlässliche Daten unter Wasser benötigen, reichen einfache ATM-Werte nicht aus. Echte Taucheruhren oder hochspezialisierte Wearables wie die Apple Watch Ultra oder Spitzenmodelle der HUAWEI-GT-Pro-Serie setzen auf strengere Normen. Hier kommt meist die ISO-Norm 22810 für wasserdichte Uhren oder sogar die ISO 6425 für professionelle Tauchgeräte zum Einsatz.

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Geräte, die nach diesen Verfahren zertifiziert sind, müssen nicht nur extremen Druckverhältnissen standhalten, sondern werden auch auf Temperaturschocks, Korrosionsbeständigkeit und die Funktionalität der Knöpfe unter Wasser geprüft. Solche Modelle verfügen oft über integrierte Tiefenmesser und Tauchcomputer-Apps, die speziell für den Einsatz in mehreren Metern Tiefe freigegeben sind.

Verschleißfaktor: Wie Dichtungen über die Zeit altern

Ein wichtiger Punkt, den viele Nutzer unterschätzen, ist die Vergänglichkeit der Wasserdichtigkeit. Der Schutz gegen Eindringen von Flüssigkeiten wird durch feine Dichtungsringe aus Gummi oder Silikon gewährleistet, die sich um das Gehäuse, die Tasten und das Displayglas schmiegen. Diese Materialien unterliegen einem natürlichen Alterungsprozess.

Aggressive Substanzen wie Seife und Duschgel unter der Dusche, Sonnencreme, Chlor aus dem Swimmingpool sowie das Salz im Meerwasser greifen die Dichtungen mit der Zeit an und machen sie spröde. Auch starke Temperaturschwankungen – etwa der Sprung ins kalte Wasser nach einem Sonnenbad – lassen Materialien unterschiedlich stark dehnen, was winzige Lücken öffnen kann. Wer seine Smartwatch regelmäßig im Salzwasser nutzt, sollte das Gerät im Anschluss gründlich mit Süßwasser abspülen und sich bewusst sein, dass die Wasserdichtigkeit nach einigen Jahren der Nutzung nachlassen kann.

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