Apple enteilt der Schweizer Uhrenindustrie

Freitag, 07. Februar 2020

apple watch laufen smartwatch am handgelenk

Wir schreiben das Jahr 2017: Im September präsentiert Apple seine Watch Series 3. Im Rahmen der Vorstellung verkünden die Kalifornier, dass sie Rolex als erfolgreichsten Uhrenhersteller der Welt abgelöst haben. Damals wurde diese Nachricht vielfach mit hochgezogenen Augenbrauen aufgenommen. Woher wollte das Unternehmen aus Cupertino das wissen, wenn sich Rolex selbst nicht zu seinen Verkaufszahlen äußert? Zurück in die Gegenwart: Aktuell sorgen Zahlen der Beratungsfirma Strategy Analytics für ein Aha-Erlebnis.

In einem Blogpost zeigen die US-Analysten auf, dass die gesamte Schweizer Uhrenbranche im vergangenen Jahr 21,1 Millionen Armbanduhren verkauft hat. Das bedeutet einen Rückgang um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Demgegenüber steht Apple mit 30,7 Millionen Modellen, die über die Ladentheke gingen. Damit gelang dem iPhone-Anbieter ein Zuwachs von 36 Prozent zu 2018. Dazu kommentiert Strategy Analytics: „Traditionelle Uhrenhersteller wie Swatch und Tissot verlieren den Smartwatch-Krieg“.

Sie definieren die Apple Watch als „ein besseres Produkt“, das über „tief verzweigte Einzelhandelskanäle“ vor allem jüngere Verbraucher anspricht. Und genau diese Zielgruppe wünsche sich vermehrt digitale Armbanduhren. Daher kommt das Analyse-Unternehmen zu dem Schluss, dass die Zeit für die Schweizer Marken knapp werden könne. Was aber unbedingt noch zu erwähnen ist: Hinsichtlich der Umsätze sollten die alteingesessenen Uhrenhersteller weiter klar vorn liegen. Die Zahlen aus dem Alpenstaat für das zurückliegende Jahr fehlen noch – 2018 betrugen die Umsätze umgerechnet 19,8 Milliarden Euro. Schätzungen zufolge wurde 2019 die Marke von 20 Milliarden überschritten.

Apple Watch Series 5 Smartwatch

Von Apple liegen zudem lediglich die Umsätze der „Wearable-Sparte“ vor. Darin sind neben den Smartwatches aber auch Geräte wie die AirPods-Kopfhörer oder HomePod-Lautsprecher miteinander zusammengefasst. In diesem Segment haben die Kalifornier 2019 satte 24,7 Milliarden Euro erwirtschaften können. Die aktuellen Entwicklungen betreffen insbesondere die Swatch-Group, unter deren Dach Luxusmarken wie Omega oder Blancpain zusammengefasst sind. Ihr gehören aber auch weniger prestigeträchtige Labels wie Calvin Klein oder eben Swatch an.

Das ist umso interessanter, da es bereits seit Jahren Gerüchte zu einem eigenen Betriebssystem der Schweizer Uhrenindustrie gibt, das die Swatch Group initiiert. Das sogenannte „Swiss OS“ sollte schon Anfang 2019 veröffentlicht werden. Ein Lebenszeichen tauchte erst in dieser Woche in einer Aktienanalyse der Swatch Group vom Experten Rene Weber auf. Er erklärte in den Bericht, dass die Einführung einer eigenen Smartwatch mit dem Branding von Tissot bevorstehe. Offensichtlich sind die Pläne also nicht ad acta gelegt. In diesem Jahr werden des Weiteren Wear-OS-Smartwatches der Marken TAG Heuer und Hublot erwartet – vermutlich wartet auch Montblanc mit einem neuen Modell auf.

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