GPS bei Smartwatches: Wann reicht einfaches GPS und wann braucht man Dual-Band?
Wer auf der Suche nach einer neuen Laufuhr oder Outdoor-Smartwatch ist, stößt in den Datenblättern zwangsläufig auf Begriffe wie Single-Band-GPS, Multi-GNSS oder Dual-Band-GPS. Während Hersteller gehobener Preisklassen die doppelte Frequenz als unverzichtbaren Standard anpreisen, stellt sich für Sportler im Alltag die Frage, ob das herkömmliche Signal für die wöchentliche Joggingrunde ausreicht oder erst Dual-Band die nötige Präzision bringt.
Der technische Unterschied zwischen Single-Band und Dual-Band
Herkömmliche GPS-Empfänger verarbeiten in der Regel nur eine Frequenz eines Satellitensystems, beim US-amerikanischen GPS ist das das sogenannte L1-Band. Dieses Frequenzband funktioniert auf freien Flächen ohne Hindernisse hervorragend. Das Problem entsteht jedoch, sobald sich Hindernisse in die Sichtlinie zwischen Smartwatch und Satellit schieben. In Häuserschluchten, dichten Nadelwäldern oder tiefen Felsmassen prallt das L1-Signal an Fassaden und Felsen ab. Diese Reflektionen führen dazu, dass das Signal mit minimaler Verzögerung an der Uhr ankommt, was in der Fachsprache als Multipath-Effekt bezeichnet wird. Auf der Laufaufzeichnung äußert sich das durch typische Zickzack-Muster, falsche Tempowerte oder Routen, die scheinbar mitten durch Gebäude führen.
Eine Dual-Band-Smartwatch empfängt hingegen parallel zwei Signale desselben Satelliten und nutzt zusätzlich zum klassischen L1-Band das modernere und deutlich leistungsstärkere L5-Band. Die L5-Frequenz zeichnet sich durch eine höhere Bandbreite und Signalstärke aus. Der Prozessor der Uhr gleicht beide Frequenzen in Echtzeit ab und kann fehlerhafte, reflektierte Signale gezielt herausfiltern. Dadurch bleibt die Aufzeichnung selbst unter schwierigen Empfangsbedingungen flüssig auf dem tatsächlichen Weg.
Einsatzbereiche für einfaches Single-Band-GPS
Trotz der Vorteile von Dual-Band bedeutet das keineswegs, dass einfache GPS-Module unbrauchbar sind. Wenn das Aktivitätsprofil hauptsächlich aus flachen Strecken über freies Feld, Parks, Landstraßen oder Vorstadtgebiete besteht, liefert ein Single-Band-Empfänger eine absolut ausreichende Genauigkeit. Auch für den Gelegenheitslauf, Radtouren auf ausgebauten Wegen oder das Aufzeichnen von Schritten beim Spazierengehen ist die einfache Satellitenortung bestens geeignet. Da Single-Band-Chips zudem spürbar weniger Energie verbrauchen, schont ihre Nutzung die Akkulaufzeit der Smartwatch.
Wann Dual-Band-GPS unverzichtbar wird
Der Aufpreis für ein Dual-Band-Modul lohnt sich vor allem dann, wenn die Streckenbedingungen anspruchsvoller werden. Bei Stadtläufen und Marathons in Innenstädten gehören hohe Häuserfronten und Wolkenkratzer zu den größten Störfaktoren für GPS-Signale. Wer exakte Kilometerzeiten bei City-Läufen benötigt, profitiert massiv von der L5-Frequenz. Auch beim Trailrunning und Wandern im dichten Wald schwächeln Single-Band-Signale rasch, wenn nasse Baumkronen im Sommer die Sicht zum Himmel verdecken, während Dual-Band die Route stabil hält. Ebenso werden Signale im Bergsport oder beim Klettern in schmalen Täler-Abschnitten an Felswänden stark reflektiert, sodass Dual-Band hier für punktgenaue Navigations- und Höhenwerte sorgt.
Passgenaue Wahl für das persönliche Training
Die Entscheidung für oder gegen Dual-Band hängt letztlich von den persönlichen Umgebungsbedingungen ab. Wer hauptsächlich im Park, auf der Laufbahn oder auf offenen Strecken trainiert, benötigt das L5-Band nicht zwingend und ist mit einer Standard-GPS-Smartwatch bestens bedient. Wer hingegen mitten in der Großstadt trainiert, regelmäßig im dichten Wald unterwegs ist oder im Gebirge exakte Navigations- und Tempodaten verlangt, sollte beim Kauf gezielt auf das Feature Dual-Band beziehungsweise Multi-Frequenz achten.
