EKG, SpO2 & Vorhofflimmern: Was Gesundheits-Smartwatches wirklich können

withings scanwatch horizon smartwatch_3Moderne Smartwatches werben längst nicht mehr nur mit Schritten, Kalorien und Sportprofilen. Im Zentrum des Marketings stehen zunehmend medizinisch anmutende Begriffe wie 1-Kanal-EKG, kontinuierliche SpO2-Messung oder automatische Warnungen vor Vorhofflimmern. Doch wie verlässlich sind diese Messungen am Handgelenk im Alltag, wo liegen die Grenzen der Technologie und was bedeuten die Siegel von Gesundheitsbehörden wie der FDA oder das europäische CE-Kennzeichen?

EKG und Vorhofflimmern: Der Unterschied zwischen Pulsmesser und Stomkreis

Um zu verstehen, was eine Smartwatch im Bereich der Herzgesundheit leistet, muss zwischen zwei grundlegenden Messverfahren unterschieden werden. Im Alltag nutzen Uhren vor allem die optische Pulsmessung (Photoplethysmographie, kurz PPG). Dabei strahlen LEDs auf der Gehäuserückseite Licht in die Haut und messen das vom Blutstrom reflektierte Signal. Algorithmen im Hintergrund analysieren diese Abstände und können bei Auffälligkeiten wie anhaltend unregelmäßigen Herzschlägen eine Warnung ausgeben.

Für eine gezielte Überprüfung setzen Modelle von Apple, Samsung, Google, Withings oder Garmin jedoch auf ein echtes Ein-Kanal-EKG. Bei dieser aktiven Messung legen Nutzer einen Finger für meist 30 Sekunden auf eine Elektrode an der Krone oder dem Gehäuserahmen, während die Rückseite der Uhr Kontakt mit dem Handgelenk hält. Dadurch wird ein geschlossener Stromkreis über den Oberkörper gebildet, der die elektrischen Impulsmuster des Herzens aufzeichnet.

Studien und Stellungnahmen kardiologischer Fachgesellschaften bescheinigen diesen mobilen 1-Kanal-EKGs bei der Erkennung der häufigsten Herzrhythmusstörung, dem sogenannten Vorhofflimmern, eine hohe Genauigkeit. Das ist medizinisch wertvoll, weil Vorhofflimmern häufig schubweise auftritt und bei regulären Arztterminen unentdeckt bleiben kann. Allerdings ersetzen die Uhren kein professionelles 12-Kanal-EKG beim Kardiologen. Wichtig ist zu wissen: Ein Smartwatch-EKG kann zwar Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern identifizieren, ist aber bauartbedingt nicht in der Lage, einen akuten Herzinfarkt oder Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße zu diagnostizieren.

Sauerstoffsättigung (SpO2): Ideal für Schlafanalysen, begrenzt beim Sport

Der SpO2-Sensor misst die prozentuale Sauerstoffsättigung des arteriellen Blutes. Auch hier kommt optisches Licht zum Einsatz, wobei sauerstoffreiches und sauerstoffarmes Blut rotes und infrarotes Licht unterschiedlich stark absorbieren. Während die Messwerte bei gesunden Menschen tagsüber stabil im Bereich von 95 bis 100 Prozent liegen, verliert der Wert im wachen Zustand beim normalen Training meist an Aussagekraft, da Armbewegungen und Erschütterungen die Messung stark verfälschen.

garmin ekg smartwatch

Der eigentliche Mehrwert der SpO2-Sensoren zeigt sich nachts beim Schlaftracking. Fällt die Sauerstoffsättigung im Schlaf wiederholt und phasenweise stark ab, kann dies ein deutlicher Hinweis auf schlafbezogene Atmungsstörungen wie die sogenannte Schlafapnoe sein. Viele moderne Betriebssysteme nutzen diese Daten inzwischen gezielt, um bei Auffälligkeiten automatische Berichte für das nächste Arztgespräch zu erstellen.

CE-MDR und FDA: Was Medizinprodukte-Zulassungen bedeuten

Wer sich auf die Daten seiner Uhr verlassen möchte, sollte darauf achten, ob die entsprechende Gesundheitsfunktion als Medizinprodukt nach der europäischen Medizinprodukteverordnung (CE-MDR) beziehungsweise der US-Behörde FDA zertifiziert wurde. Wenn ein Hersteller mit der gezielten Analyse von Vorhofflimmern oder EKG-Exporten wirbt, muss die dahinterliegende Software strengen klinischen Validierungsprüfungen standhalten.

Fehlt eine solche medizinische Freigabe, deklarieren Hersteller die Funktionen meist als reine „Fitness-“ oder „Wellness-Daten“. Solche Angaben dienen als grobe Orientierung, dürfen jedoch nicht für medizinische Entscheidungen herangezogen werden.

Smartwatches als digitales Frühwarnsystem

Die Gesundheitsfunktionen moderner Smartwatches sind kein Ersatz für medizinisches Fachpersonal oder klinische Untersuchungen. Ihre große Stärke liegt vielmehr in ihrer Rolle als unaufdringliches Frühwarnsystem im Alltag. Die Uhren können unbemerkt auftretendes Vorhofflimmern oder Atemaussetzer im Schlaf protokollieren, als PDF-Bericht aufbereiten und dem Arzt als wertvolle Datenbasis für weitere Untersuchungen dienen. Wer wiederholt Warnmeldungen erhält oder körperliche Beschwerden wie Herzrasen, Schwindel oder Atemnot verspürt, sollte die Ergebnisse stets ärztlich abklären lassen.

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